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19.01.2004
 

erinnern und gestalten. treffpunkt berliner jugendinitiativen

 

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Am 19. Januar 2004 fand im Abgeordnetenhaus von Berlin die Abschlussveranstaltung von denk!MAL 2004 statt. Alle TeilnehmerInnen von denk!MAL waren eingeladen ihre Arbeiten zu präsentieren und sie während der anschließenden Ausstellung im Casino des Abgeordnetenhauses bis zum 27. Januar 2004 einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

Die Ausstellung der Projekte ist noch bis zum 27.1.04, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, zu besichtigen.

Moderation: Stephan Michme, Fritz.

Mitwirkende: Petra Rosenberg, Geschäftsführende Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. und Marianne Rosenberg, Sängerin.

Ablauf der Abschlussveranstaltung am 19.01.2004

 

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fried drums

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Begrüßung durch Herrn Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin

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Blindenwerkstatt Otto Weidt: Zeitzeugentheater

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Gustav-Heinemann-Oberschule: "Why" und "Courage"

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Bach-Oberschule: Instrumentalmusik

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Ayla Gottschlich: „Ein Kuckuck nimmt auch keine Dohle zum Mann“

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Interview mit Henriette Hübner, Erich-Fried-Gymnasium und Grips-Grundschule

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Kreuzberger Musikalische Aktion: „Ich sage nein“

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MaDonna: „Wir Kinder vom Rollbergviertel“

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Ostarbeiter: "Tänzerin hinter Stacheldraht"

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Chor der Jüdischen Oberschule: „Shalom“

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Petra Rosenberg: Lesung aus Otto Rosenbergs Autobiographie "Das Brennglas"

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Marianne Rosenberg: "Trauriger Stolz"

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Ende der Veranstaltung

 

 

 

 

 

 

 

Lied vom traurigen Stolz (Auszug)

Der Plenarsaal des Abgeordnetenhauses wurde zum ersten Mal zum Konzertsaal - Marianne Rosenberg sang

von Petra Ahne

Es ist vielleicht eine kühne Vermutung, dass im Abgeordnetenhaus selten so mitfühlend und warmherzig geklatscht wurde wie am Montagabend. Ganz sicher aber gab es noch nie Beifall für eine professionelle Sängerin. Es ist nämlich noch nie eine aufgetreten - bis zum Montagabend. Da sang Marianne Rosenberg im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses ein Lied. Es heißt "Trauriger Stolz". Sie hat es vor ein paar Jahren geschrieben, an dem Tag, an dem sie ihre Eltern in Frohnau besuchte und sah, dass auf die Fassade ein Hakenkreuz geschmiert worden war. In dem Lied fragt sie den unbekannten Täter, was für ein seltsamer Stolz das ist, der ihn so etwas tun lässt. Es ist eine klagende, ruhige Melodie und Marianne Rosenberg hatte, als sie das Lied vortrug, wenig mit der Schlagersängerin zu tun, als die sie bekannt ist. Marianne Rosenberg ist Sinti - ihr Vater hat Auschwitz überlebt, als einziges von elf Geschwistern.

Der Auftritt der Sängerin war der Höhepunkt eines Abends, in dessen Verlauf der seriöse Plenarsaal nicht nur zum Konzertsaal, sondern auch zum Theater geworden war. Im Abgeordnetenhaus wurde - wie auch schon in den Jahren zuvor - der Abschluss des Projekts "Denkmal" gefeiert. "Denkmal" ist eine Art Aufruf an Jugendliche. Sie sollen sich mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und dem Umgang mit der NS-Geschichte auseinander setzen. Sie können Ausstellungen planen, Theaterstücke einstudieren, Geschichten schreiben. Schulklassen und Projektgruppen können mitmachen. Die fast 40 Beiträge sind im Abgeordnetenhaus ausgestellt - und einige wurden gestern auf der Bühne aufgeführt, auf der sonst Berliner Politik versucht wird. Auf den Sitzen saßen nicht Abgeordnete, sondern mehrere hundert Jugendliche. Ein paar von denen, die sonst hier ein- und ausgehen, waren auch da: Parlamentspräsident Walter Momper, der offiziell zu dem jährlichen Wettbewerb aufruft, die Grünen-Politiker Alice Ströver und Volker Ratzmann und Ex-Kultursenator Christoph Stölzl.

(...)

Still wurde es, als Petra Rosenberg vortrat, Marianne Rosenbergs Schwester und Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg. Sie sagte, sie haben noch nie aus dem Buch "Das Brennglas" gelesen, in dem ihr Vater seine Zeit in Auschwitz beschreibt. Sie habe sich bis jetzt nicht stark genug dafür gefühlt, weil ihr Vater erst vor knapp drei Jahren gestorben ist. Dann las sie vor, wie Otto Rosenberg, der, so lange er lebte, oft als Zeitzeuge auftrat, nach Auschwitz gebracht wurde. Er hat im kindlich-ungläubigen Tonfall des 15-Jährigen geschrieben, der er damals war. Anschließend trat Marianne Rosenberg auf. Als die beiden ganz in schwarz gekleideten Schwestern sich am Schluss umarmten, wurde der Applaus nochmal sehr laut.

"Ich bin die nächste Generation, darum bin ich hier."  M. Rosenberg, Sängerin.

Der vollständige Artikel ist im Archiv der Berliner Zeitung vom 20.01.2004 zu lesen.

 

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Stand: 30. Januar 2004